eBook – Kapitel 2

Welche Rahmenbedingungen muss eine Internetseite erfüllen

Nachdem ich kurz aufgezeigt habe welchen Stellenwert eine Internetpräsenz heutzutage hat, egal ob Sie darüber direkt Produkte verkaufen (Onlineshop) oder diese „rein des guten Ton“ Willens betreiben, werde ich Ihnen in diesem Kapitel die wesentlichen Anforderungen an eine erfolgreiche Internetseite offenbaren und konkreter auf diese Punkte eingehen.

Im Wesentlichen lassen sich folgende vier Anforderungs-Ebenen unterscheiden:

1)      Gestalterische Anforderungen (optische Ansprache der Interessenten)

2)      Anforderungen der technischen Umsetzung (Programmierung)

3)      Inhaltliche bzw. textliche Anforderungen (Suchmaschinen & Interessenten)

4)      Server- bzw. Domainanforderungen

Außer der Punkt „gestalterische Anforderungen“ kann man sich vorstellen, dass die Punkte „technische Umsetzung“, „textliche Aufbereitung“ und „Serveranforderungen“ sowohl die echten Besucher als auch die Suchmaschinen einer Internetseite betreffen. Aber gehen wir die Punkte Schritt für Schritt durch.

Gestalterische Anforderungen (optische Ansprache der Interessenten)

Zwei kurze Worte vorweg zur optischen Gestaltung Ihrer Internetseite: Nehmen Sie es mir nicht übel, aber meine Erfahrung hat mir einfach gezeigt, dass Mann/Frau gestalten nicht lernen kann. Viele Design-Studenten können die Farbenlehre und diverse Gestaltungsgesetze, wie das Gesetz der Nähe, Geschlossenheit, Ähnlichkeit, Prägnanz, Fortsetzung, Symmetrie und nicht zu vergessen den Goldenen Schnitt, im Schlaf aufsagen und Stunden darüber sinnieren: Nur ein Gefühl für Formen und Farben haben die Wenigsten. Wenn ich so schon über meine Kollegen und den Berufsstand Designer herziehe möchte ich Ihnen nur nahelegen, sich bei der Gestaltung in JEDEM FALL externe Hilfe zu holen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich möchte Ihnen auf gar keinen Fall nicht zu nahe treten und Ihr Gestaltungsvermögen grundsätzlich Frage stellen. Ich kenne Lektoren, die mehr Gefühl (gepaart mit dem notwendigen Wissen) für die Thematik Gestaltung aufweisen, als so manche(r) „Art-Director(en)“.

Es ist nur ein Tipp, den Sie annehmen oder ablehnen können. Bei der Wahl eines Designers / einer Agentur sollten Sie vor allem drei Dinge prüfen: Anzahl und Qualität der Referenzen sowie das Agenturalter. Wer länger am Markt ist, kann sich wohl mit seinen Arbeiten behaupten. Wenn Sie das Geld für eine Agentur nicht aufbringen können oder wollen, dann suchen Sie sich lieber ein sogenanntes „fertiges Template“ und passen dies nach Ihren Vorstellungen an (und wenn Sie nur Ihr Logo darin einbinden!). Heutzutage sind viele Templates von der Gestaltung sehr hochwertig. Sie müssen nur damit leben können, dass ein zweiter (i.d.R. eher mehr) das gleiche Template benutzt. Dafür erhalten Sie diese Designs aber kostenlos, sehen im Vorfeld was Sie bekommen und können sich sicher sein, dass die Gestaltungsregeln nicht nur angewendet, sondern auch gut umgesetzt wurden – Sonst würde Ihnen das Template ja nicht gefallen ;o).

Mein zweiter Hinweis: Menschen sind „Gewohnheitstiere“ und stellen sich nur ungern auf Neues ein. Das gilt im Besonderen für das Internet. Vermeiden Sie es gewohnte Positionen von Navigation und Co. gegenüber dem „Standard“ zu ändern bzw. neu zu erfinden. Neu ist sicherlich anders und anders merkt man sich vielleicht eher, weil es so neu ist. Neu bedeutet aber auch lernen, gewöhnen und manchmal eben auch verzweifeln. Denken Sie einfach an die die Umstellung der Menüstruktur und Darstellung von Microsoft Office (Version 2003 nach 2007). Ich kenne kaum jemanden, der nicht daran verzweifelt ist und sich seinen Workflow und Effizienz erst wieder erarbeiten musste.

Nun kann man bei Office nicht einfach ein Alternativprogramm starten und damit arbeiten – „also Augen zu und durch“. Im Internet ist dies grundsätzlich anders. Es ist nur ein Klick in die Adresszeile des Browsers, um die Google-Seite aufzurufen, oder auf den „Zurück-Button“. Überlegen Sie sich also gut, wie viel Neues Sie Ihren Interessenten zumuten wollen und können.

Eine persönliche Auseinandersetzung mit den Gestaltungsgesetzen hilft Ihnen dabei Templates und Entwürfe von Agenturen oder Designern besser zu bewerten! Versuchen Sie dabei objektiv(!) zu sein und nicht IHRE SICHT durchzusetzen. Letztendlich geht es wenn überhaupt um die Sicht Ihrer Interessenten (Ihrer Zielgruppe). Hier hilft letztendlich nur ein Praxistest an lebenden Objekt; also Ihrer Zielgruppe. Fragen Sie nicht Ihre Freunde, Verwandten und Bekannten; es sei denn diese gehören zu Ihrer Zielgruppe!

Einflüsse auf die optische Gestaltung
Ein wesentlicher und auf die optische Gestaltung Einfluss nehmender Aspekt ist die Nutzerfreundlichkeit. Der Aufbau einer Navigation oder eines Bestellformulars und ihre optische Wirkung werden auch durch die Inhalte beeinflusst. So wirkt bei einer Navigation der Menüpunkt „Startseite“ anders und nimmt auch mehr Platz ein, als „Home“. Die Frage die sich stellt: Was kann einem „Standard-Besucher“ zugemutet werden?

Grundsätzlich kann man folgende Dinge zum „Standard-Besucher“ einer Internetseite festhalten:

1)      Er kann kein Englisch
Gehen Sie davon aus, dass eigentlich nur ein Drittel der Besucher einen umfangreichen Englisch-Wortschatz haben und anwenden können. Die übrigen zwei Drittel sind über das Stadium Schulenglisch nicht hinaus gekommen und ahnen nur was sich hinten den englischen Begriffen wie „customer service“, „cordless“ oder „tracking“  verbirgt.

2)      Er hat nicht Informatik studiert
Vermeiden Sie Fachbegriffe und seien Sie konsistent bei der Wahl Ihrer Worte! Nicht dass es mal heißt: Anmeldung, Login, Registrierung oder PIN, Kennwort, Passwort, Password, ID. Auch der Hinweis, zum Beispiel bei der Anmeldung zu einem Newsletter, auf die Vermeidung von „alphanummerischen Zeichen“ überfordert schon viele Besucher.

3)      Er hat keine Lust auf Experimente
Niemand möchte sich erst durch die komplette Navigation klicken müssen, um diese zu verstehen. Das navigieren muss intuitiv erfolgen. Verständliche Texte und ggf. eindeutige Icons können hier helfen, den Nutzer zum nächsten KLICK zu motivieren. Wenn er dann auch noch das findet, was er sucht haben Sie alles richtig gemacht!

4)      Er mag keine Bevormundung
Sie werden bald merken, dass das Thema optische Gestaltung ein sehr komplexes Thema ist. Es fängt schon damit an, dass Ihre Besucher unterschiedliche Monitore, mit verschiedenen Auflösungen, Farbtiefen und Kontrasteinstellungen werden. Dies hat einen wesentlichen Einfluss auf die Wahrnehmung ihrer Seiten an dem jeweiligen Monitor! Einen Kompromiss finden heißt die Lösung. Vermeiden Sie es unbedingt Einfluss auf den Browser des Besuchern nehmen zu wollen, indem Sie im zum Beispiel die Menüleiste mit den gewohnten Icons ausblenden. Eine solche „Kastration“ werden Ihre Besucher persönlich nehmen und wird dazu führen, dass diese Ihre Seite zukünftig meiden.

5)      Er will wirklich keinen Sound
Was in der realen Welt wirkt, wirkt im Internet gar nicht! Verfallen Sie nicht dem Irrglauben, dass dies einen Besucher am Bildschirm in Stimmung versetzt. Gehen Sie eher davon aus, dieser sich genervt fühlt, weil er eigentlich parallel seine MP3‘s oder einen Radiosender hört. Kaum auf Ihrer Seite angekommen überlagern sich nun beide Klänge und nix von beidem klingt mehr gut. Ganz zu schweigen von den Aggressionen die bei Ihren Besuchern aufkommen können, wenn diese auf Arbeit eigentlich nur mal schnell auf Ihrer Seite vorbeischauen oder gar was bestellen wollen und der Chef prompt mal wieder „mithören“ konnte, dass „Sie“ wohl nicht Ihrer Arbeit nachgehen, sondern irgendwo privat rumsurfen. – Lassen Sie das lieber mit dem Sound!

6)      Er ist ungeduldig
Halten Sie Ihre Internetseite schlank – weniger KILO-Byte ist mehr! Sicherlich ist im Zeitalter von DSL oder gar VDSL das Nadelöhr größer geworden. Allerdings nehmen auch mobile Zugriffe auf das Web zu (Stichwort: „Smart-Phone“). Jedes Kilobyte ist Ballast – und Besucher sind heutzutage ungeduldig. Eben aufgrund von DSL öffnen sich schlanke Webseiten mehr oder weniger SOFORT wenn man diese aufruft. Großartige Bilder, Videos und Animationen verlängern die Ladezeiten der Seiten und führen schon einmal dazu, dass ein Besucher entnervt den Ladevorgang abbricht und Ihre Seiten verlässt – Schade drum!

7)      Er erwartet eindeutiges Feedback
Wenn etwas nicht funktioniert, erwarten Ihre Besucher eindeutiges Feedback. Liegt der Fehler nun an der Internetseite oder hat der Besucher etwas vergessen oder falsch gemacht und wenn ja was?!? Auch eine Bestätigung für eine erfolgreiche Aktion, zum Beispiel beim ausfüllen und versenden eines Kontaktformulars, gehört zum guten Ton. In diesem Zusammenhang ist auch eine Kopie per Email an den Anfragenden mit seinen gemachten Angaben nicht verkehrt.

8)      Er ist faul!
Standard-Vorgaben beim ausfüllen von Formularen kann hilfreich sein und kommt dem „grundsätzlich faulen Besucher“ sehr entgegen. Man muss diese aber mit Bedacht wählen. Die Vorgabe der Anrede („Frau“) kann zu Verärgerung führen, wenn der neue Kunde in der Bestätigungsmail mit Frau Meier angesprochen wird, obwohl er doch ein Mann ist. Auch das unaufgeforderte setzen von Hacken für Newsletter ist nicht nur rechtlich, zumindest aber menschlich bedenklich. Bedenken Sie, dass Internetnutzer Ihre persönlichen Daten nur ungern offenbaren oder in Formularen übermitteln. Sie genießen also hohes Vertrauen, wenn jemand Ihr Formular mit persönlichen Daten ausfüllt. Halten Sie die Hürde niedrig indem Sie wirklich nur die Daten abfragen, die wirklich notwendig sind und missbrauchen Sie dieses Vertrauen nicht!

9)      Er hat nicht immer die besten Augen
So wie einleitend auf die Wortwahl der Navigation eingegangen, spielt natürlich auch die Schriftgröße, der Kontrast und die Struktur eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung und Anmutung einer Internetseite. Vermeiden Sie es zu kleine Schriftgrößen zu verwenden, einen zu schwachen Kontrast zu wählen und strukturieren Sie Ihre Texte so, dass genügend Absätze und dadurch Freiräume „zum Atmen“ entstehen. Niemand will im Internet einen Roman lesen. Ufern Sie also nicht aus, aber vergessen Sie auch nichts Wesentliches.

Im Online-Handel sind insbesondere die Formulare der Knackpunkt. Falsch gestaltete Formulare kosten Ihnen richtig viel Geld! Das Stichwort lautet hier „Konversion-Rate“ und ist der Ausdruck dafür was Sie die Generierung des neuen Kunden gekostet hat. Hier ein Beispiel dazu:

Sie können bei Suchmaschinen bestimmte Suchbegriffe „buchen“, sagen wir für einen Euro pro Klick. Dann erscheint Ihre Werbeanzeige vor oder eben den Suchergebnissen. Folgt ein potentieller Kunden dieser Anzeige (er klickt also darauf) zahlen für diese „Vermittlung“ den vereinbarten Euro. Jetzt hat dieser potentielle Kunde aber noch nichts bei Ihnen gekauft. Angenommen von 100 Kunden die Ihrer Anzeige folgen und auf Ihrer Seite landen, kaufen nur 2 Besucher etwas auf Ihrer Seite (das entspricht einer Konversation-Rate von 2%). Die Generierung eines Kunden kostet Sie also in diesem Beispiel 50 Euro (2/(100×1€) = 50€).

Je nachdem wie Ihre Internetseite und nicht zuletzt Ihr Bestellformular nun optisch, klar aufgebaut und wie lang oder kurz es ist, wird sich Ihre Konversation-Rate positiv bzw. negativ entwickeln. Es ist natürlich klar, dass ein kurzes und mit wenigen Pflichtfeldern arbeitendes Formular einfacher und freiwilliger ausgefüllt wird, als ein langes. Fordern Sie zu viele Daten ein und ist der Prozess undurchsichtig, werden viele den Vorgang abbrechen. Den Euro für diesen Besucher haben Sie aber auf jeden Fall „verloren“. Überlegen Sie sich also gut, ob Sie wirklich „alle“ Informationen für die Abwicklung benötigen, oder ob Sie nur Ihre Datenbank füttern mit Daten die Sie nicht benötigen?

Allein das Abfragen der Telefonnummer ist für viele Besucher ein Dorn im Auge. Nun mal Hand auf Herz: Geben Sie gern Ihre Telefonnummer bekannt? Oder anders gefragt: Wer von denen, wo Sie überall bei Bestellungen Ihre Telefonnummer angeben mussten, hat Sie zurückrufen müssen? Kommt die berechtigte Frage auf: Was machen die damit? – Also: Weniger ist mehr! ;o)

Wenn diese Punkte immer im Hinterkopf behalten und beherzigen, werden Sie die richtige Basis für Ihren Internetauftritt haben. Versetzen Sie sich in die Lage Ihrer Zielgruppe bzw. befragen Sie diese und berücksichtigen Sie deren Tipps und Erfahrungen! Nicht Sie selbst sollen Ihr bester Kunde werden. ;o)